Der attac Kongress fand im Gebäudekomplex der Technischen Universität Berlin statt. Etwa 2500 Teilnehmer besuchten diesen Kongress bei dem es viele verschiedene Foren, Podien und Workshops unter dem Überbegriff „Jenseits des Wachstums“ in unterschiedlich großen Hörsälen gab.
Die Eröffnungsreden von Vandana Shiva aus Indien, Preisträgerin des alternativen Nobelpreises, und Costa Alberto aus Equador beinhalteten die Lebensweise von indigenen Völkern, die extrem hohe Selbstmordrate indischer Bauern und Kritik an der Gentechnologie, wobei die Rede Shivas eher emotional als informativ war.
Das Publikum war größtenteils der linken und gemäßigten Szene zuzuordnen. Im Erdgeschoss der TU waren etliche Stände von Unterstützern attacs (Friedrich-Ebert-, Heinrich-Böll-, Otto-Brenner- und Rosa Luxemburg-Stiftung) aufgebaut, welche Broschüren und Heftchen rund um das Thema der Veranstaltung auslegten. Im Park hinter dem Gebäudekomplex war die Volksküche, die vegane Kost anbot, und ein Stand mit Kuchen, Kaffee und Getränken aufgebaut. Dort konnte man sich auch in der Pause niederlassen und einfach nur das schöne Wetter genießen. Am Samstagabend wurde dort auch Unterhaltung in Form von Musik und einem Kabarett angeboten. Der freundliche Umgang, das lockere Beisammensein und das Abwaschen der Teller bilden zusammen eine sehr solidarische Atmosphäre.
Die Foren, Podien und Workshops befassten sich mit dem Wachstum und dem Wechsel vom jetzigen kapitalistischen System zu einem anderen, möglicherweise besser funktionierenden System mit Grundeinkommen, mehr Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, verantwortungsvollerem Umgang mit den uns gegebenen Ressourcen, erneuerbaren Energien und dem Green New Deal.
Die Veranstaltungen waren leider meist überfüllt, da der Veranstalter nicht mit einem so großen Andrang gerechnet hat. Vor allem die Vortragsarten, Podien und Foren, waren unglücklich gewählt, da diese kaum diskussionsfördern waren. Es kamen nie oder selten Diskussionen zustande und die für Podiumsdiskussionen typisch flachen Publikumsfragen ließen auch einiges an Potenzial zu wünschen übrig. Das Stellen von Fragen gestaltete sich sowieso schwierig, da durch den großen Andrang und der kurz bemessenen Zeit nicht jede Meldung und jede Frage beachtet werden konnte. Schade war auch, dass es keine Workshops gab in denen Fishbowls oder ähnliches verwendet wurden. Diese Methode ist eigentlich eine sehr gute Möglichkeit eine angeregte Diskussion, die neue Erkenntnisse liefern kann, zu entfachen.
Trotz allem waren die Vorträge ausnahmslos sehr interessant und es ließ sich erkennen, dass die Referenten Ahnung von der Materie hatten. Die vorgestellten Konzepte waren an und für sich sehr schön, aber oft fehlte die Erklärung zur Zielrealisierung und der geplanten Bestreitung des Weges dorthin. Oftmals waren die Aussagen einiger Referenten sehr langatmig und sie kamen nicht richtig zum Punkt. Hierbei griffen die Moderatoren nicht ein um diesen monotonen Redefluss zu stoppen oder einzudämmen. Das durch einige Faktoren verhinderte Erkenntniserlangen verlegte sich sozusagen von den Hörsäälen nach draußen, da im Park und in den Gängen über das zuvor Gehörte in kleinen Gruppen diskutiert wurde.
Die gesamte Organisation des Kongresses war durchaus gelungen. Ein übersichtliches Programmheft informierte über jede Veranstaltung und die Referenten. Es gab keine Pannen und alles verlief reibungslos.
*ts

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