Juni 1965
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung
Die Blechtrommel
Der Stellvertreter
Die Kleine Mutti
Konkurrenz zwischen Lesen und anderen zeitgenössischen Medien
Die verschiedenen Motivationen zum Lesen
Lesegewohnheiten der verschiedenen Berufsgruppen
Tabellen
Quellen
Lesen bedeutet, schriftlich niedergelegte, sprachlich formulierte Gedanken aufzunehmen und zu verstehen. Völker erkannten diese Fähigkeit schon vor tausenden von Jahren, und entwickelten mithilfe von Piktogrammen, eine schriftliche Sprache. Heute im Jahre 1965, steht dem Menschen eine Mannigfaltigkeit an Schriftzeichen, Wörtern, und Satzzeichen zur Verfügung, um seine Gedanken und Ideen schriftlich niederzulegen und für den Jedermann verständlich zu machen. Durch das Schulwesen, ist das Erlernen dieses heuristisch kognitiven Vorgangs jedem Zugänglich, und ist zu einer unerlässlichen Fähigkeit geworden, um sich in der zeitgenössischen Gesellschaft einen Platz zu verschaffen.
Leider ist, obwohl Lesen eine der wichtigsten Fähigkeiten unserer Gesellschaft ist, das Thema fast gar nicht wissenschaftlich erforscht. Die erste Studie in dieser Richtung wurde vom EMNID-Institut im Jahre 1958 durchgeführt, welche äußerst interessante und überraschende Ergebnisse lieferte. Nachdem ich mich selbst mit der Studie befasst hatte, war mein Interesse geweckt und ich konnte das DIVO-Institut im Frühjahr 1964 dazu bewegen, eine weitere Umfrage in dieser Richtung durchzuführen. Rolf Fröhner (der Verfasser von „Das Buch in der Gegenwart“ 1961) kontaktierte mich daraufhin mit dem Beweggrund, die Ergebnisse dieser zwei Studien einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daraufhin kontaktierte ich Timm Schele, ein Mitarbeiter Fröhner’s, und wir konzipierten diese Zeitschrift um die erworbenen Erkenntnisse der Lesegewohnheiten der Bevölkerung der BRD, zusammenfassend darzustellen; weiterhin entschieden wir uns zwei herausragende literarische Werke und ein beliebtes volkstümliches Buch, mit in die Zeitschrift aufzunehmen, um dem Leser einen Einblick in das literarische Spektrum der Nachkriegszeit bis zum Jahre 1965, zu geben. Wir hoffen das die Erkenntnisse die wir hier mit ihnen teilen, sie genauso interessant und überraschend bewerten werden wie wir es tun.
Die Blechtrommel
Sicherlich haben Sie, verehrter Leser, schon von Günther Grass’ Schelmenroman „Die Blechtrommel“ gehört, welche den ersten Teil seiner vor zwei Jahren fertig gestellten „Danziger Trilogie“ darstellt. Das Werk, das 1959 vom Fischer Verlag veröffentlicht wurde, ist eindeutig als eines der wichtigsten zeitgenössischen Werke anzusehen, das bis heute, sechs Jahre nach seiner Veröffentlichung, noch einiges an Diskussionsstoff zu bieten hat. Allein das Veto des Senats der Freien Hansestadt Bremen, welches somit die Verleihung des Literaturpreises 1960 verhindert hat, zeugt von dem provokativen Inhalt des Werkes.
Der Protagonist des Buches, Oskar Mazerath, befindet sich 1954, in fiktiver Zeit, in einer Heil- und Pflegeanstalt, in der er seine Familien- und eigene Lebensgeschichte schriftlich dokumentiert. Oskar führt den Leser in den Mikrokosmos einer Danziger kleinbürgerlichen Familie, dessen Ereignisse und Geschehnisse er über drei Generationen hinweg rückblickend erzählt.
Die Geschichte beginnt im Jahre 1899 mit Oskars Großmutter Anna Bronski, die in der Kaschubei am Rande eine Kartoffelackers sitzt. Als Joseph Koljaiczek, ein polizeilich gesuchter polnischer Brandstifter, vor zwei Polizisten flüchtet, gewährt Anna ihm ein Versteck unter ihren vier Röcken. Es wird angedeutet, dass dabei Oskars Mutter Agnes gezeugt wird. Die Beiden heiraten und flüchten an die Mottlau, wo Koljaiczek unter falschem Namen als Flösser arbeitet, und ihre Tochter Agnes geboren wird. Koljaiczek wird erkannt und ertrinkt angeblich bei einem Fluchtversuch vor der Gendarmerie. Oskar merkt an, dass es auch möglich ist, dass er nach Amerika geflüchtet ist und sich ein Vermögen erarbeitet hat.
Die junge Agnes wächst heran und entscheidet sich, trotz ihrer Liebe zu ihrem Cousin Jan Bronski, den früheren Soldaten und Hobbykoch Alfred Matzerath zu heiraten. Als Oskar 1924 geboren wird, beschreibt er sich so: “Ich gehörte zu den hellhörigen Säuglingen, deren geistige Entwicklung schon bei der Geburt abgeschlossen ist und sich fortan nur noch bestätigen muss”. Während seiner Geburt beobachtet Oskar wie ein Falter zwischen zwei 60 Watt Glühbirnen hin und her fliegt, was er als eine „Trommelorgie“ beschreibt.
Die Aussage seiner Mutter Agnes, sie werde ihm zum dritten Geburtstag eine Blechtrommel schenken, lässt ihn mit Sehnsucht auf diesen Tag warten. Agnes verwirklicht ihr Versprechen und Oskar erhält zu seinem dritten Geburtstag eine rot-weiße Blechtrommel. Am gleichen Tag entscheidet Oskar „(…) auf keinen Fall Politiker und schon gar nicht Kolonialwarenhändler zu werden, vielmehr einen Punkt zu machen, so zu verbleiben – und ich blieb so, hielt mich in dieser Größe, in dieser Ausstattung viele Jahre lang“.
Oskar sieht zu dem Zeitpunkt jedoch das Misstrauen, den dieser Wachstumsstopp bei Erwachsenen hervorrufen würde voraus, und entscheidet sich so, seiner körperlichen Fehlentwicklung einen plausiblen Grund zu geben: er stürzt sich Kopf über die Kellertreppe hinunter. Oskar widmet sich von diesem Zeitpunkt an hemmungslos und ungestört dem Trommeln. Nach einer Zeit ist die Trommel schon relativ ramponiert, woraufhin Oskars Eltern wegen der Verletzungsgefahr versuchen, sie ihm zu entreißen. Oskar leistet Widerstand, wobei er bemerkt, dass er die Fähigkeit besitzt, Glass durch lautes Schreien zu zerschmettern. Jan Bronski besorgt ihm daraufhin umgehend eine neue Trommel.
Aufgrund Oskars ungewöhnlichen körperlichem Zustand geht Agnes mit ihm zum Arzt, bei dem er die halbe Praxis durch Singen zerstört. Der Arzt schreibt daraufhin eine wissenschaftliche Abhandlung über Oskar, macht jedoch keine weiteren Anstalten ihn zu behandeln. Oskars Einschulung schlägt auch fehl, nachdem er die Scheiben im Klassenzimmer und die Brille der Lehrerin zersungen hat.
Ihm ist jedoch klar, dass Bildung bzw. Lesen und Schreiben unabdingbar ist, und somit macht er sich auf die Suche nach einem Privatlehrer. Hierbei gerät er an die Bäckersfrau Gretchen Scheffler, die er dazu bringt, ihm aus „Rasputin und seine Frauen“ und Goethes „Wahlverwandtschaften“ vorzulesen. So lernt Oskar langsam Lesen und Schreiben, was er aber niemandem offenbart. Oskar empfängt von den Kindern seiner Nachbarschaft nur Ablehnung, welche ihren Höhepunkt darin findet, dass er gezwungen wird die „Ziegelsuppe“ zu trinken. Um sich zu wehren, versucht Oskar mit seiner Stimme die Fenster mehrerer Wohnungen zu zersingen, jedoch ohne Erfolg.
Donnerstags wird Oskar von seiner Mutter immer für ein paar Stunden beim Spielwarenhändler Sigismund Markus abgesetzt, damit sie ein paar Stunden allein mit Jan Bronski in einer Pension verbringen kann. An einem dieser Donnerstage entwischt Oskar aus dem Spielwarenladen und steigt auf einen Stockturm, um die Fenster des Stadttheaters zu zerstören.
Bei einem Zirkusbesuch, 1934, macht er die Bekanntschaft mit dem ebenfalls kleinwüchsigen Musicalclown Bebra, der seine Wachstumsverweigerung sofort erkennt und ihn vor den Nazis warnt. Bebra bietet Oskar eine Stelle in seiner Zirkusgruppe an, was er jedoch ablehnt.
Kurze Zeit danach tritt Alfred Mazerath der NSDAP bei. Oskar geht daraufhin zu einer NSDAP-Veranstaltung, versteckt sich unter der Tribüne und zwingt durch sein Trommeln die Musikanten seinem Rhythmus zu folgen. Die Kundgebung wird daraufhin abgebrochen. Oskar erkennt seine Fähigkeit, Macht über andere Menschen auszuüben und fängt an, gezielt Menschen zu beeinflussen. Er bietet seinen ausgewählten Opfern die Möglichkeit, Täter zu werden, indem er bei Schaufenster betrachtenden Passanten mit seiner Stimme Löcher in das Glas schneidet. Manche Opfer können der Versuchung nicht widerstehen und greifen zu.
Die Grenzen seiner Stimme erkennt er jedoch beim wöchentlichen Kirchenbesuch mit Agnes, welche Oskar während der Beichte allein lässt. Er probiert sich an den Kirchenfenstern, die jedoch komischerweise nicht zerbrechen. Oskar sieht in dem Jesusknaben seinen Zwillingsbruder, und hängt ihm daraufhin seine Trommel um und fordert ihn zum Trommeln auf. Der erscheinende Pfarrer sieht darin einen Akt der Gotteslästerung und ohrfeigt ihn.
Bei einem gemeinsamen Ausflug an die Ostsee, mit Oskar, Alfred, Agnes und Jan beobachtet die Gruppe, wie man mithilfe eines Pferdekopfes Aale fängt. Agnes empfindet abartigen Ekel, als sie beobachtet, wie sich die Aale im Pferdekopf bewegen und übergibt sich. „Matzerath aber kümmerte sich überhaupt nicht um Mama. Der lachte und äffte den Stauer (den Angler) nach, machte auf starke Nerven, und als der Stauer fast fertig war und zum Abschluss dem Gaul einen mächtigen Aal aus dem Ohr zog, mit dem Aal die ganze weiße Grütze aus dem Hirn des Gaules sabbern ließ, da stand zwar gleichfalls dem Matzerath der Käse im Gesicht, aber die Angeberei gab er dennoch nicht auf, kaufte dem Stauer für ein Spottgeld zwei mittlere und zwei starke Aale ab und wollte den Preis noch nachträglich runterhandeln.“
Als Alfred die Aale zuhause zubereiten möchte, entsteht ein heftiger Streit zwischen ihm und Agnes, die sich strikt weigert, die Aale zu verzehren, was Alfred rasend macht. Jan kann sie zwar im Schlafzimmer beruhigen; Es bleibt jedoch nur bei einem vorläufigen Scheinfrieden. Zwei Wochen nach Ostern beginnt Agnes, ständig Fisch zu verschlingen. Wissend, dass sie von Jan schwanger ist, isst sie den ganzen Tag nur Fisch, bis sie mit einer Fischvergiftung im Krankenhaus eingeliefert wird und ein paar Tage darauf stirbt. Oskar, der seine Mutter wirklich geliebt hat, trauert. Bei der Beerdigung von Agnes erscheint auch der jüdische Spielwarenhändler Sigismund Markus, der jedoch von einem Gast an der Teilnahme gehindert wird.
Oskar trifft erneut den Musicalclown Bebra, der einen tiefen Eindruck bei ihm hinterlässt, da er Bebras ebenfalls kleinwüchsige Begleiterin Roswitha Raguna kennenlernt. Bebra erzählt ihm, dass er mit seiner Artistengruppe im Dienst des Reichspropagandaministeriums steht. Er bietet Oskar erneut eine Stelle in seiner Gruppe an, die er jedoch zum zweiten Mal ablehnt.
Im November 1938 beobachtet er wie SA-Männer den Spielwarenladen von Sigismund Markus zerstören. Sie finden ihn tot auf seinem Schreibtisch vor. Markus hat sich zuvor mithilfe von Gift umgebracht. Somit hat Oskar alle Freunde verloren und seine Quelle für neue Blechtrommeln existiert nicht mehr.
Oskar sieht sich genötigt, Jan zu überreden, ihn zur polnischen Post mitzunehmen. Er arbeitet dort, um sich möglicherweise seine Trommel vom Hausmeister Kobyella reparieren zu lassen. Jan hat jedoch Angst; da ständig ein Angriff der Deutschen erwartet wird, ist das Postamt in höchster Alarmbereitschaft. Jan möchte sich den bevorstehenden Kampfhandlungen eigentlich entziehen, lässt sich jedoch trotzdem von Oskar überreden, ihn mitzunehmen. Kaum treffen die Beiden im Gebäude ein, greift auch schon die SS-Heimwehr an. Jan lässt sich bei den Kampfhandlungen absichtlich verletzen, um vom Dienst freigestellt zu werden. Bei dem Versuch Jan zu retten, wird Kobyella lebensgefährlich verletzt, woraufhin die zwei Verwundeten in den Keller gebracht werden. Dort gibt Oskar erstmals seine Verweigerungshaltung gegenüber Erwachsenen auf und spielt mit Jan und Kobyella Skat. In diesem Moment stirbt Kobyella. Nachdem die SS den Keller gestürmt hat, werden alle vor das Gebäude geführt. Oskar fängt an zu weinen und zeigt anklagend auf Jan, der nach einem Schnellverfahren mit den anderen Verhafteten erschossen wird.
Oskar kommt in ein Krankenhaus. Schugger Leo, ein geistig verwirrter Mann, nimmt Oskar mit auf den Friedhof und zeigt ihm den Ort von Jans Erschießung.
Alfred braucht eine Aushilfe in seinem Kolonialwarenladen, woraufhin er Maria Truczinski einstellt, und diese bei ihnen einzieht. Oskars Situation verbessert sich ungemein, da Maria teilweise die Mutterrolle übernimmt und sich auch um seinen Blechtrommelersatz kümmert. Bei einem gemeinsamen Ausflug an ein Strandbad, streut Oskar Brausepulver in Marias Hand und vermischt es mit seinem Speichel, was Maria erregt. Die Beziehung erhält einen sexuellen Aspekt, welcher darin gipfelt, dass die Beiden miteinander schlafen. Einige Zeit später erfährt Oskar jedoch, dass Maria auch mit Alfred schläft. Als er die Beiden beim Akt erwischt, springt Oskar auf Alfreds Rücken und schlägt ihn mit seiner Trommel. Als heraus kommt, dass Maria schwanger ist, entschließt sich Alfred sie zu heiraten. Oskar ist fest davon überzeugt, dass er der Vater ist. Er versucht daraufhin, Maria so zu verletzen, dass sie ihr Kind verliert, was in einem Angriff mit einer Schere gipfelt. Maria kann eine Verletzung verhindern, und Oskar muss die Wohnung verlassen und zieht bei Mutter Truczinki ein.
Oskar trifft erneut Bebra, wobei er von Roswitha erfährt, dass sie Liebesgefühle für ihn hegt. Als Bebra ihm erneut eine Anstellung in seiner Propagandakompanie anbietet, nimmt Oskar an und reist mit der Truppe nach Frankreich. Nach einem längeren Aufenthalt in Paris, bekommt die Truppe den Befehl entlang des Atlantikwalls Gastspiele zu geben. In der Normandie angelangt, besichtigen sie die Bunker entlang der Küste. Ihr begleitender Offizier Lankes erhält während eine Picknicks den Befehl eine Gruppe von Nonnen auf dem Strand zu erschießen, was er widerwillig ausführt. Am nächsten Morgen beginnt die Invasion der Alliierten. Trotz der nötigen Eile möchte Roswitha unbedingt einen Kaffee, wobei sie beim Versuch sich welchen zu holen von einer Granate getötet wird. Wieder in Deutschland verlässt Oskar die Truppe, und kehrt zu Kurts drittem Geburtstag heim, wobei er ihm eine Blechtrommel schenkt.
Oskar ist enttäuscht als Kurt die Blechtrommel ohne besonderes Interesse entgegennimmt; seine Hoffnung, das Kurt eine ähnliche Entwicklung aufweisen würde, gibt er schnell auf.
Als Maria erfährt, dass ein weiterer ihrer Brüder im Krieg gestorben ist, geht sie mit Oskar in die Herz-Jesu-Kirche, wo Oskar erneut das Abbild Jesu als sein Eigenes erkennt. Er hängt der Figur wieder seine Trommel um, die diesmal seine Anweisungen befolgt und anfängt zu trommeln. Oskar zieht es jetzt jede Nacht in diese Kirche. Eines Nachts trifft er auf dem Weg „die Stäuber“, eine Bande, bei welcher er sofort aufgenommen wird und bald als Anführer hervortritt. Die Gruppe nimmt bei ihren Sabotageakten und Einbrüchen zunehmend pseudoreligiöse Züge an. Nach mehreren Raubzügen wird die Gruppe von der Polizei gefasst. Oskar kann sich jedoch einer Verurteilung entziehen, indem er sich wieder als verführtes Kind darstellen kann. Als der Krieg zu Ende geht bzw. die Russen Danzig erreichten, versteckt sich die Gruppe um die Matzeraths im Keller. Als die Russen in den Keller einfallen, hat Alfred noch eine NSDAP-Anstecknadel, die ihn als Nazi ausweisen würde. Er versucht sie loszuwerden, Oskar gibt sie ihm jedoch in einem ungünstigen Moment wieder, woraufhin er beim Versuch sie zu schlucken zu ersticken droht. Er wird daraufhin von einem Russen erschossen. Währenddessen wird seine Frau von drei Soldaten vergewaltigt.
Ein Herr Fajngold übernimmt den gesamten Besitz der Familie Matzerath, lässt sie jedoch ohne weiteres in der Wohnung gewähren und arbeiten. Bei der Beerdigung Alfreds wirft Oskar seine Trommel mit ins Grab und entscheidet sich weiterzuwachsen und Verantwortung für die Familie zu übernehmen. Oskars Gesundheit verschlechtert sich durch das eintretende Wachstum erheblich, obwohl er von Fajngold gepflegt wird.
Einen Heiratsantrag von Fajngold lehnt Maria ab, und sie entscheidet sich, mit Kurt und Oskar zu ihrer Schwester nach Düsseldorf zu reisen. Die Zugfahrt findet unter unmenschlichen Bedingungen und unter mehreren Überfällen statt. Oskar wächst während der Fahrt weiter, woraufhin er aufgrund der Schmerzen in seinen Gelenken in mehrere Krankenhäuser muss.
Als Oskar im Mai 1946 entlassen wird, sind Kurt und Maria im aufblühenden Schwarzmarkthandel mit Feuersteinen und Kunsthonig verwickelt. Da Oskar zum Haushalt finanziell nichts beiträgt, fängt er beim Steinmetz Korneff als Praktikant an. Oskar erweist sich als fähiger Arbeiter, wodurch er mit der Zeit recht gut verdient. Da die Erträge aus dem Schwarzmarkt mit der Zeit zurückgehen, ist Maria finanziell mehr und mehr auf Oskar angewiesen. Oskar sehnt sich nach weiblichen Kontakt, woraufhin er sich mit einer Krankenschwester trifft. Das Treffen zeigt jedoch nicht das erhoffte Resultat und als Maria seinen Heiratsantrag ablehnt, ist er sichtlich enttäuscht.
Oskar kündigt seiner Arbeit als Steinmetz und beginnt für die Studenten der Kunstakademie als Modell zu stehen. Als Maria ihn auf einem Plakat für eine Ausstellung sieht, kommt es zum Streit zwischen den Beiden, und Oskar wird aufgefordert die Wohnung zu verlassen.
Oskar zieht beim Ehepaar Zeidler in ein ehemaliges Badezimmer ein. Eine weitere Untermieterin ist eine Krankenschwester namens Dorothea. Oskar beginnt, ihre Post zu lesen und ihr Zimmer zu durchsuchen.
Der andere Untermieter ist ein Mann namens Klepp, der sein Zimmer kaum verlässt und jeglichen Kontakt zur Außenwelt abgebrochen hat. „Er faulte bei bester Laune, hielt sich in Reichweite einen altmodischen, recht barock anmutenden Spirituskocher, ein gutes Dutzend Spaghettipackungen, Dosen Olivenöl, Tomatenmark in Tuben, feuchtklumpiges Salz auf Zeitungspapier und einen Kasten Flaschenbier, das, wie sich herausstellen sollte, lauwarm war. In die leeren Bierflaschen urinierte er liegend (…)“. Als Oskar ihm mit seiner Trommel etwas vorspielt, musiziert er mit der Flöte mit und möchte mit Oskar eine Jazzkapelle gründen.
Als Oskar eines Abends relativ angetrunken heimkommt, findet er keinen Schlaf. Nachts geht er auf die Toilette und bindet sich dabei einen Kokosläufer um. Als er in die Toilette eintritt, ist diese schon von Dorothea besetzt, die glaubt, den Satan vor sich zu haben. In einem Schockzustand kommt sie unter ihm zum Liegen. Der Versuch mit ihr zu schlafen, scheitert jedoch aufgrund von Erektionsproblemen. Als sie sich wieder besinnt, befreit sie sich von Oskar und flieht in ihr Zimmer. Dorothea verlässt die Wohnung und kehrt nicht wieder zurück.
Oskar, Klepp und der Gitarrist Scholle gründen gemeinsam die Musikgruppe „The Rhine River Three“ und erhalten in der Gaststätte „Zwiebelkeller“ ihre ersten Auftritte. In der Gaststätte werden jeden Abend Zwiebeln verteilt, wobei es unter den Tränen enthemmten Gäste zu heftigen Gefühlsausbrüchen kommt. Oskar entdeckt, dass er mit seinem Trommeln das Verhalten der Menschen steuern und beeinflussen kann, was ihm jedoch durch den Wirt Schmuh ohne weiteres verboten wird. Schmuh stirbt auf dem Heimweg eines Jagdausfluges durch einen Autounfall. Bei der Beerdigung erhält Oskar ein Angebot einer Musikagentur, das mit einem Vorschuss verbunden ist. Bevor er das Angebot jedoch wahrnimmt, reist er mit Lankes in die Normandie , wo Lankes eine junge Nonne am Strand verführt. Lankes verarbeitet seinen Mord an den Nonnen in mehreren Nonnebildern, die ihn als Maler bekanntmachen.
Als Oskar sich entscheidet, das Angebot endlich wahrzunehmen, kommt es zu einem erneuten Treffen mit Bebra, der die Agentur leitet. Mithilfe Bebras wird Oskar durch seine Auftritte und Plattenaufnahmen reich und berühmt.
Während eines Spazierganges bringt ihm sein begleitender Hund einen menschlichen Finger, den er in einem Glas aufbewahrt. Dies wird von einem Mann namens Vittlar beobachtet. Vittlar und Oskar schließen Bekanntschaft, woraufhin Oskar ihn ermutigt, den Fall bei der Polizei anzuzeigen, damit er auch mal in die Presse komme. Oskar wird der Mord angehängt, und er wird verurteilt. In einem letzten Rückblick erzählt Oskar, wie er in bei einem Fluchtversuch in Paris von der Polizei verhaftet wird.
Der Roman „Die Blechtrommel“, in dem Oskar dem Leser rückblickend einzelne Einblicke in seinem Leben gewährt und trotzdem einen erstaunlichen Zusammenhang herstellt, weist eine bemerkenswerte inhaltliche Vielschichtigkeit auf. Der Leser taucht sofort in den Mikrokosmos der polnischen Kleinbürger ein, ohne jedoch den Blick auf die geschichtlichen Ereignisse der Zeit zu verlieren.
Dass Oskar Matzerath gewisse Ähnlichkeiten mit Günther Grass’ Lebensstationen aufweist, wie z.B. die Geburt in Danzig, der Kolonialwarenhandel der Eltern und die Ausbildung zum Steinmetz, dürfte kein Zufall sein. Durch Oskars Wachstumsverweigerung legt er schon in frühem Alter den Grundstein für seine Außenseiterrolle, die er in der Welt einnimmt. Durch seine Verweigerung vor Erwachsenen zu sprechen und an ihrem Leben teilzunehmen, wird er von ihnen als bemitleidenswertes zurückgebliebenes Kind behandelt, vor dem man keine moralischen Skrupel haben muss. Dass Oskar eine volle geistige Entwicklung aufweist, bleibt den Erwachsenen verborgen, und Grass schafft somit eine von außen stehende, verfremdete Sichtweise, der nichts entgeht. Oskar wird somit Zeuge, nicht nur der intimen Intrigen und geheimen Verhältnisse der Danziger Familie, sondern auch der grotesken politischen Entwicklung und deren Handhabung. Somit bleibt in den verstrickten Verhältnissen eine autonome Sichtweise vorhanden, die jedoch nicht davor zurück schreckt auf andere Einfluss zu üben. Oskars Blechtrommel wird durch seine Sprachverweigerung zum Kommunikationsmittel, mit welcher er seinen Willen kundtun kann, ohne die Maske des Dreijährigen ablegen zu müssen. Hinzu kommt noch seine Fähigkeit, gezielt Glass zu zersingen, welches ihm als probates Mittel dient, seinen Willen zu erzwingen und Menschen meist negativ zu beeinflussen.
Grass schafft somit einen autonomen Antihelden, der zwar selbst keine ausgeprägte Moral besitzt, sich jedoch gegen jegliche Vereinnahmung durch andere zur Wehr setzt, und zeitweise unmenschliche Züge annimmt.. Oskars Verhalten wird beim Leser öfters eine abstoßende Wirkung haben, wodurch ein groteskes Bild diese Charakters entsteht. Ich möchte jedoch vor einer frühzeitigen moralischen Verurteilung Oskars warnen, da diese den Lesespaß gründlich verderben kann. Dass Oskars körperliche Eigenschaften ihm gewisse Einblicke ihn äußerst intime Einzelschicksale gewährt, ist nicht zu bewerten, da die Personen, die mit ihm in Kontakt treten, somit freiwillig ihre Masken niederlegen, um sich hemmungslos zu zeigen. Die Konsequenz, mit der er selbst alle Tabus und moralischen Schranken durchbricht, ist eine Eigenschaft, die man bei einem Charakter wie Oskar Matzerath hinnehmen muss.
Der Roman brachte Grass viel Kritik ein, der durch die detaillierte Beschreibung Ekel erregender Szenen, sexuellen Entartungen, und moralischen Abnormitäten, in perversen Bezichtigungen gipfelte. Das narrative Können des Autors, mit dem er eine mannigfaltige Verflechtung zwischen Realität und Fantasie, Tragik und Komik entstehen lässt ist, ist jedoch nicht abzuweisen, und wurde vor kurzem mit der Verleihung des diesjährigen Georg-Büchner-Preises ausgezeichnet. Auch wenn das Groteske in diesem Roman vorherrschend ist, ist er äußerst abwechslungsreich und stellt ein äußerst detailliertes Bild der Gesellschaft dar, welches in dieser Form hochinteressant und somit absolut lesenswert ist.
Der Stellvertreter
„Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth ist ein Schauspiel, welches die Haltung des Papstes zum Holocaust thematisiert. Rolf Hochhuth ist ein deutscher Dramatiker, der mit seinem Stück maßgeblich zum Dokumentartheater beigetragen hat. Er setzt sich wiederholt mit der NS-Vergangenheit auseinander und beschäftigt sich mit aktuellen politischen und sozialen Fragen.
Die Uraufführung des Schauspiels vom 20. Februar 1963 löst die bis heute größte Theaterdiskussion in der Bundesrepublik Deutschland aus. Auch international sorgt das Stück für großes Aufsehen, während den Aufführungen in anderen europäischen Ländern kommt es sogar zu Tumulten. Die Aufregung, die um “den Stellvertreter” gemacht wird, rührt daher, dass eine solche direkte Kritik an der Kirche und dem Papst noch nie vorgekommen ist. Die ganze Welt war entsetzt darüber, wie man den Papst öffentlich so anprangern und ihn für den Tod vieler Millionen Juden mitverantwortlich machen kann. Der Papst und die Kirche waren und sind für die meisten Menschen unantastbar; er ist ein Symbol für Reinheit und Unschuld, genau deswegen nicht zu kritisieren. Deshalb hat “der Stellvertreter” eine so große und weitreichende Debatte hervorgerufen.
Wir befinden uns in Berlin im August 1942. Der apostolische Nuntius und sein Sekretär, der Jesuitenpater Riccardo Fontana, diskutieren über Adolf Hitler und die Situation der Kirche im “Dritten Reich”. SS-Obersturmbannführer Kurt Gerstein, lässt sich melden und berichtet über die Ermordung von Juden, die er mit eigenen Augen gesehen habe. In der Erwartung Papst Pius XII. werde der Weltöffentlichkeit die Wahrheit berichten, wenn er mehr von der Verfolgung und Ermordung der Juden erfährt, drängt Gerstein den Nuntius, die Informationen an den Papst weiterzuleiten. Der Nuntius ist jedoch der Meinung, dass die römisch-katholische Kirche für die Juden nicht verantwortlich sei, und will auch nicht Hitler vor den Kopf stoßen. Deshalb weist er Gerstein zurück, sagt ihm aber, dass er die Juden in seine Gebete miteinbeziehen werde.
Der Sekretär des Nuntius, Pater Riccardo, ist schockiert und sucht Gerstein in dessen Wohnung auf. Während Gerstein eine Ladung Blausäure unschädlich macht, fährt Riccardo nach Rom. Dort spricht Riccardo mit seinem Vater, Graf Fontana, einem einflussreichen Mann im Vatikan, und prangert an, dass der Papst nichts gegen die Massenmorde an den Juden unternehme. Der Kardinalstaatssekretär kommt dazu. Er will nichts von der Forderung, dass man das Konkordat zwischen dem Papst und Hitler wissen, und fordert eine neutrale Haltung gegenüber der Vernichtungspolitik Hitlers.
Im Oktober 1943 spricht Pater Riccardo erneut zusammen mit Kurt Gerstein im Vatikan vor. Inzwischen sind die Juden in Rom auch nicht mehr sicher, sie werden aus ihren Häusern geholt und nach Auschwitz gebracht. Der Kardinalstaatssekretär sieht in Hitler ein Bollwerk gegen Stalin und den Kommunismus, das die Kirche vor den Übergriffen aus dem Osten schützt. Deshalb soll sich die Kirche neutral gegenüber dem NS-Regime verhalten.
Daraufhin denkt Riccardo über einen Mordanschlag auf den Papst nach, für den man die SS verantwortlich machen könnte, um die Kirche zu einem Protest zu zwingen.
In einer Unterredung mit Pius XII. und dem Kardinalstaatssekretär versucht Graf den Papst dazu zu bewegen, Hitler zu schreiben. Aber der Heilige Vater lehnt das vorgeschlagene Schreiben ab, da er Hitler nicht provozieren möchte. Pater Riccardo wird hinzugeholt und macht deutlich, dass er einen Protest der Kirche gegen die Massenmorde der Nationalsozialisten für notwendig hält. Aber der Papst bevorzugt es bedrohten Juden in Rom mit Pässen und Verstecken zu helfen. Er lässt sich nur zu einer äußerst neutralen Botschaft bewegen, welche von Riccardo als unzureichend empfunden wird.
Als Riccardo keine andere Möglichkeit mehr sieht, den Papst umzustimmen, heftet er sich einen Judenstern an und will als Zeichen des Protests freiwillig mit den anderen Juden nach Auschwitz gehen.
Der “Doktor”, ein zynischer KZ-Arzt, beschreibt Riccardo nach der Ankunft in Auschwitz detailreich, was ihn hier erwartet und bietet ihm an mit ihm zu arbeiten.
Kurt Gerstein taucht mit dem fingierten Befehl Riccardo freizulassen, um ihn zu retten, aber der Pater ist entschlossen, mit den Juden zu sterben. Der “Doktor” bemerkt Gersteins Betrug. Riccardo wird erschossen, als er versucht den Doktor zu ermorden und Gerstein wird verhaftet.
Die Kleine Mutti
„Die kleine Mutti“ ist eine Wochenzeitschrift, oder auch Heftroman, die man am Kiosk für 25 Pfennig kaufen kann. Bis heute sind etwa 100 Hefte erschienen und 30 weitere in Auftrag gegeben worden. Der Autor dieser Romanreihe ist nicht bekannt, nur sein Künstlername A. d’Ancona. Es ist höchst wahrscheinlich, dass an „der kleinen Mutti“ nicht nur ein Autor geschrieben hat, sondern eine ganze Gruppe unter dem Synonym A. d’Ancona. Dies ist üblich für diese Art von Romanen, da die Künstler unter ihrem realen Namen meist schon bekannt sind und sich nun unter einem Synonym etwas dazu verdienen möchten. Auch der Name ist sehr durchdacht. Er klingt vielversprechend und exotisch, außerdem klingt er durch die vielen Vokale sehr weich.
„Die kleine Mutti“ ist ein Paradebeispiel für Kitschromane, da die Merkmale in sehr deutlicher Ausprägung vorhanden sind. Die Hauptmerkmale für einen Kitschroman sind eine attraktive Thematik, aufregende Motive, sympathische Helden und eine spannende Handlungsstruktur. Dies alles erfüllt „Die kleine Mutti“.
In „der kleinen Mutti“ geht es um eine junge, blonde, gute Frau. Sie liebt einen wankelmütigen Adeligen, der keinerlei Verantwortungsbewusstsein besitzt. Schließlich wird sie von ihm schwanger und bekommt Zwillinge. Andauernd muss sie ihre Liebe und ihre Kinder vor einer bösen Konkurrentin schützen. Ihr Angebeteter lässt sie im Stich und die kleine Mutti erlebt einen Schicksalsschlag nach dem anderen. Am Ende aber kommt sie mit dem Mann zusammen, der sie wirklich liebt und alles wird gut.
Die äußerst positive Rezeption dieses Wochenromans kommt daher, dass die immerwährenden Intrigen, Versöhnungen und die ständigen Siege des Guten den Leser rühren. Dieses Übermaß an Gefühlen ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass die Leserschaft fast ausschließlich aus Frauen besteht, die durch diesen Roman eine emotionale Erfüllung erlangen, die ihre Umwelt ihnen nicht geben kann. Auch die vielen verschiedenen Handlungsorte im Ausland sollen den Leser eine Teilhabe an der großen weiten Welt vermitteln, die soweit entfernt ist von der eigenen Wirklichkeit. Dabei werden die Orte nicht einmal im Detail beschrieben, sondern es werden mit der bloßen Nennung von „Dschungel“ stereotype Vorstellungen wie „Spannung und Abenteuer“ geweckt.
Oftmals werden auch bestimmte Handlungen nur angedeutet beschrieben, sondern am Ende des Satzes steht „…“. Dies regt die Phantasie des Lesers an und er muss sich seinen Teil selbst denken. Überhaupt werden Aktivitäten, Handlungen oder Gespräche nicht näher beschrieben, sondern es wird einfach gesagt, dass die Handlung „brutal“ oder das Gespräch „tiefschürfend“ ist.
Es werden auch die Rollen der Geschlechter aufgezeigt. Bei den Männern geht es oft um den Ehrbegriff und bei Frauen um die hausfraulichen Pflichten und die Sorge um Mann und Kinder.
Deshalb war die kleine Mutti so erfolgreich, da dieser Kitschroman alle nötigen Kriterien erfüllt, um seine Leserinnen in eine fremde Welt zu entführen, in der das Gute immer siegt und all ihre Sehnsüchte erfüllt werden.
Die Konkurrenz zwischen Lesen und anderen zeitgenössischen Medien
In den Nachkriegsjahren der 50er- und 60er Jahre kommen neue Medien, wie der Fernseher, in den Umlauf und auch das Radio wird dank dem Wirtschaftsboom für jedermann erschwinglich. Den Menschen heutzutage stehen also viele verschiedene Medien zur Verfügung. Sind sie eine Konkurrenz für das altbewährte Lesen? Hören die Deutschen nur noch Radio, schauen Fern und gehen ins Kino?
Auf die Frage hin, womit man sich in seiner Freizeit am liebsten beschäftig antworten in unseren Umfragen der größte Teil der Menschen mit Lesen. Nach dem Lesen ist die beliebteste Freizeitbeschäftigung Spazieren gehen und Aktivitäten an der frischen Luft. Erst nach diesen Tätigkeiten kommt die Nutzung von zeitgenössischen Medien, wie Radiohören und Fernsehen. Vor allem die sogenannte Mittelschicht, bestehend aus Beamten, Angestellten und selbstständig Tätigen, nutzt das Medium Buch bevorzugt in ihrer Freizeit, was nicht bedeutet, dass sie neuere Medien nicht auch nutzen. Dies können sie tun, da sie kürzere Arbeitszeiten, und somit mehr freie Zeit, haben und ihre vorauszusetzende höhere Bildung ein größeres Interesse am Lesen besitzen und sich damit sowohl beruflich, als auch geistig weiterbilden wollen. Die Arbeiter und Landwirte hingegen lesen in ihrer Freizeit viel weniger. Das liegt vor allem daran, dass sie aufgrund ihrer Arbeit viel weniger Zeit haben und seltener zum Lesen kommen und das sie aufgrund ihrer geringeren Bildung kein oder wenig Interesse an Büchern haben. Dieser bildungsbedingte Unterschied wird vor allem deutlich wenn man betrachtet wie viel die verschiedenen Bildungsschichten lesen. Von denen, welche die Volksschule besuchten lesen nur 25%; von den Deutschen, welche die mittlere Reife oder das Abitur haben lesen 42%. Das Lesen ist trotz allem insgesamt gesehen weit häufiger vertreten als andere Medien.(siehe Tabelle C1)
Bei der Suche nach Spannung gibt es zwei verschiedene Dinge, die von den Menschen bevorzugt gemacht werden: Lesen und ins Kino gehen. Es wird in allen Altersgruppen, von 16-65 Jahren oder älter, ungefähr gleich viel gelesen um Spannung zu erfahren. Nur bei dem Besuch von Kinos gibt es große Unterschiede. Das Mittel um Spannung zu erfahren, nämlich ins Kino gehen, wird mit fortschreitendem Alter immer weniger genutzt. Die 16 bis 30 Jährigen gehen am häufigsten ins Kino, aber je älter die Befragten werden desto seltener wird dieses Medium genutzt. Dies liegt daran, dass die älteren Befragten gar kein Interesse mehr an Spannung haben und diese deshalb auch nicht durch Abenteuerfilme o.A. herbeiführen wollen. Das kann man auch sehr schön erkennen, wenn man die Kinobesuche der Rentner betrachtet. Dabei sieht man, dass sie zusammen mit den Landwirten am seltensten das Kino besuchen. Landwirte können nicht so oft ins Kino gehen wie andere, da sie die Zeit dazu nicht haben. Bei den anderen Berufsgruppen unterscheidet sich die Anzahl der Kinobesuche kaum.(siehe Tabelle C2+C4)
Wenn die Befragten auf der Suche nach Entspannung sind nutzen sie weder das Lesen, noch das Radiohören oder eines der anderen zeitgenössischen Medien. Sie lesen keine Bücher oder schauen fern, sondern der Großteil hält ein Schläfchen, faulenzt oder geht spazieren. Sie wollen also entweder gar nichts tun und einfach mal entspannen, ohne großen Aufwand oder sie wenden sich der Natur hin. Bei der Suche nach Entspannung spielt also keins der zeitgenössischen Medien eine wirklich große Rolle.(siehe Tabelle C6)
Wenn die Befragten sich jedoch von irgendetwas ablenken wollen, vom Alltagsstress oder anderen Problemen, wenden sie sich verschiedenen Aktivitäten gleichermaßen häufig zu. Entweder sie Lesen, gehen Spazieren, schauen sich einen Film im Kino an, hören Radio oder gehen Tanzen. In dieser Hinsicht spielen die anderen Medien und Aktivitäten eine weitaus größere Rolle als bei den anderen Fragestellungen. Man kann sehen, dass sich die Befragten nicht nur auf ein Medium oder eine Tätigkeit fokussiert, sondern dass viele unterschiedliche Aktivitäten ähnlich häufig genutzt werden. Die Einzigen die sich hierbei anders verhalten sind die „älteren“ Befragten. Je älter der Befragte, desto weniger häufig geht er tanzen oder ins Kino um sich abzulenken. Dies liegt wieder einmal daran, dass sie sich aufgrund ihres Alters nicht mehr für solche Dinge interessieren und sich ihre Ablenkung wo anders suchen. Interessant ist auch, dass ein beachtenswerter Teil der Menschen über 30 Jahre seine Ablenkung beim Besuch einer Wirtschaft bei einem Bier suchen.(siehe Tabelle C5)
Das Lesen von Büchern wird nicht nur zur Entspannung oder Ablenkung genutzt sondern auch um sich geistig und beruflich weiterzubilden. Wer nach geistiger Weiterbildung sucht, egal welchen Alters, nutzt das allgemeine Lesen von Büchern und nicht das Radiohören oder Fernsehen. Wer sich beruflich fortbilden möchte greift zur Fachliteratur für sein jeweiliges Berufsfeld. Bei der Fachliteratur gibt es jedoch einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Kaum eine Befragte liest Fachliteratur um sich weiterzubilden. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass Frauen momentan in der Berufswelt kaum etabliert sind wie Männer und, dass sie für ihren Beruf keine weiteren Fortbildungen benötigen oder gar nicht arbeiten und als Hausfrau tätig sind. Dies bestätigt das Klischee der Hausfrau, die hinterm Herd steht und die Kinder erzieht. Auch mit zunehmendem Alter der Befragten sinkt das Interesse an beruflicher Fortbildung, sprich das Interesse an Fachliteratur, da sie entweder Rentner sind die keine berufliche Weiterbildungen mehr benötigen oder der Meinung sind, dass ihre Karriereoptionen relativ eingeschränkt und es somit zu spät dafür ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist hierbei wieder die Zeit. Viele Befragte haben einfach aufgrund ihrer Arbeitszeit und anderen Pflichten keine Möglichkeit sich weiterzubilden.(siehe Tabelle C7)
Fast jeder Haushalt im Jahre 1958 , besitzt einen Radioapparat und auch ein Großteil besitzt Bücher. Nur sehr wenige besitzen einen Fernsehapparat. Am meisten Bücher besitzt die Mittelschicht. Dies rührt daher, dass sie die finanziellen Mittel zur Anschaffung von Büchern haben und auch ein Interesse am Kauf von Literatur vorhanden ist. Arbeiter, Landwirte und Rentner besitzen weniger Bücher und auch Fernseher, da das notwendige Geld für dessen Anschaffung und das Interesse nicht vorhanden oder nicht so ausgeprägt sind. Sie geben ihr vorhandenes Kapital lieber für andere Dinge aus und beschäftigen sich nicht so sehr mit Literatur.
Der Wunsch nach einem Fernsehapparat ist hingegen in allen Schichten der größte Wunsch, zusammen mit dem nach Haushaltsgeräten (Kühlschränke, Waschmaschinen). Wenn man aber fragt, auf was man den verzichten könne, dann entbehren die Befragten viel lieber einen Fernsehapparat, als Bücher. Hier wird wieder deutlich, dass Bücher und Lesen noch einen hohen Wert besitzen im Gegensatz zu anderen Medien dieser Zeit. Bücher symbolisieren Intelligenz, Bildung und Reichtum und sind deshalb nicht so leicht zu entbehren wie Fernseher oder ähnliches. Das Bücherlesen wird auch insgesamt gesehen relativ positiv bewertet, vor allem von der Mittelschicht und Rentnern, da diese genug Zeit dafür aufbringen können. Weniger positiv bewerten es die Landwirte und Arbeiter, da sie aufgrund von Zeitknappheit nicht dazu kommen oder ein Interesse an Literatur nicht vorhanden ist.(siehe Tabelle C8)
Dem Lesen werden eigentlich nie andere Medien vorgezogen, sondern praktische Beschäftigungen und Aktivitäten an der frischen Luft, aber auch Geselligkeit in Form von Tanzen oder Kneipenbesuchen mit Freunden. Die Befragten bevorzugen es also, vor allem im Alter, in die Natur zu gehen oder einen Spaziergang zu machen.
Aus dieser Umfrage aus dem Jahre 1958 geht hervor, dass Lesen keine Konkurrenz von anderen Medien befürchten muss. Die Menschen wenden sich in Sachen Spannung, Entspannung, Ablenkung, Weiterbildung und Freizeitbeschäftigung meistens lieber dem Lesen zu, als dem Radio hören oder Fernsehen. Vor allem der Fernseher ist noch nicht in der verbreitet genug um mit dem Lesen zu konkurrieren, da er meist zu teuer ist. Außerdem scheinen Aktivitäten an der frischen Luft und die Natur neben dem Lesen, eine große Rolle im Alltag der Menschen zu spielen, manchmal sogar eine größere.
Die verschiedenen Motivationen zum Lesen
Es gibt viele verschiedene Motivationen, welche die Deutschen in den 50er- und 60er Jahren zum Lesen animiert haben. Denn man liest ja nicht nur einfach so, es gibt immer einen Grund, eine Motivation, die einen dazu bringt, ein Buch oder eine Zeitschrift in die Hand zu nehmen und zu lesen. In dem folgenden Artikel möchte ich die wichtigsten Motivationen nennen und diese analysieren.
Die erste Motivation zum Lesen ist die Einsamkeit. Wenn die Befragten keinen anderen Menschen um sich haben und sich einsam fühlen, greifen etwa 12% zu einem Buch. Sie versuchen durch das Lesen der Einsamkeit zu entfliehen und ein besseres Wohlbefinden herbeizurufen. Es gibt dabei kein bestimmtes Genre, das gelesen wird, sondern vom guten Buch bis hin zur Illustrierten wird alles gelesen.
Als zweiter Grund kommt beim Lesen die Spannung ins Spiel. Mehr als ein Drittel der Menschen gibt an, dass sie wenn sie Spannung suchen, anfangen zu lesen. Sie lesen aber nicht nur irgendein Buch oder eine Zeitschrift, sondern sie greifen zu Kriminalromanen, sprich zu spannenden Büchern. Es werden also Bücher ausgewählt, die den Leser fesseln und ihn in eine fremde Welt entführen. Diese Menschen lesen also, um dem öden und langweiligen Alltag zu entfliehen und etwas Spannendes, Aufregendes durch das Lesen zu erleben. Die durch das Lesen entstehende Fantasiewelt ist hier die Motivation.
Ein weiterer Punkt ist beim Leser die Ablenkung. Viele Befragte beantworten, die Frage, was sie tun, wenn sie sich ablenken wollen, mit Lesen. Es gibt dabei kein bevorzugtes Genre: sie lesen Romane, Illustrierte oder die Kirchenzeitung. Das Lesen ist hier also ein Werkzeug, um sich von irgendeiner Sache abzulenken. Man liest nicht, um Spannung zu erfahren oder sich weiterzubilden, sondern um den Alltagsstress oder Ähnliches zu verdrängen. Die Befragten lesen also irgendwas, nur damit sie etwas zu tun haben und der Kopf beschäftigt ist.
Wenn die Befragten nach Entspannung suchen, nutzen sie auch oft das Medium Buch. Sie lesen leicht verträgliche Bücher und Illustrierte, um dem Kopf eine Pause zu gönnen. Es wird also nicht versucht, sich in eine Fantasiewelt hineinzudenken und Spannung zu erfahren, sondern man sucht einfach eine leichte Lektüre, um zu entspannen ohne viel Aufwand zu betreiben. Die Befragten werden bei dieser Motivation nicht dazu animiert, hohe Literatur oder Ähnliches zu lesen, da man hierbei immer eine gewisse Konzentration und den Willen sich mit dem Buch auseinanderzusetzen mitbringen muss. Bei der Entspannung möchte man aber nicht viel denken und auch keine geistige Arbeit leisten, sondern sich eine Pause gönnen.
Ganz anders ist das bei der Weiterbildung. Hierbei muss man zwischen der geistigen und beruflichen Weiterbildung unterscheiden. Bei der geistigen Fortbildung wählen die Befragten bevorzugt höhere Literatur, sprich gute Bücher, mit denen sie sich inhaltlich auseinandersetzen und damit versuchen ihren Geist weiterzubilden. Hierbei muss der Leser konzentriert und gewillt sein, sich mit dem Gelesenen zu beschäftigen und darüber nachdenken, um zu einer Erkenntnis zu gelangen.
Ähnlich ist es auch bei der beruflichen Weiterbildung. Bei dieser zweiten Art der Fortbildung greifen die Befragten zu Fachliteratur, die sich auf ihre Berufssparte bezieht. Auch beim Lesen der Fachliteratur müssen sie konzentriert sein und den Willen haben sich damit auseinanderzusetzen. Dieser Wille rührt da her, dass man sich ja beruflich weiterentwickeln und aufsteigen möchte, deshalb muss man das Gelesene behalten und verinnerlichen. Die beiden Arten der Weiterbildung durch Lesen haben also die gleichen Grundvoraussetzungen, aber eben zwei verschiedene Ziele.
Bei den verschiedenen Motivationen, die Befragte zum Lesen antreiben, existieren kaum Unterschiede zwischen den Berufs- und Altersgruppen. Man muss nur verstehen, dass die genannten Motivationen alle unterschiedliche Voraussetzungen haben und auch unterschiedliche Ziele verfolgen.
Lesegewohnheiten der verschiedenen Berufsgruppen in der BRD
Das Lesen hat spätestens durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1882 seinen Einzug in die breite Masse der Gesellschaft erhalten. Somit erhalten weite Teile der Bevölkerung Zugang zu einem Bildungsmedium, welches zuvor nur „bessergestellten“ Kreisen vorbehalten ist.
Das Bürgertum schafft es, Anfang des 19. Jahrhunderts durch Bildung gesellschaftliche Grenzen zu überschreiten und sich durch Forschung in Natur- und Geisteswissenschaften einen respektiertablen Platz in der Gesellschaft zu behaupten. Das Bürgertum entdeckt Wissen und Bildung als eine Quelle der Macht. Die industrielle Revolution sichert ihren finanziellen Rückhalt, und die somit entstehende ökonomische Kaufkraft verschafft ihnen Einfluss in Staat und Wirtschaft. Das geistige Leben floriert in diesen Kreisen, da Bildung nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung garantiert, sondern durch Literatur zunehmend einen ästhetischen und spannenden Fluchtpunkt bietet. Somit ist in bürgerlichen Kreisen eine Art Ideal von Wissen und Bildung entstanden, welches mit gesellschaftlichem Ansehen einhergeht, und das teilweise bis heute noch andauert.
Die Bedeutung des Buches bzw. des Lesens, und welche Funktion es für bestimmte gesellschaftliche Schichten besitzt, hat sich mit der Zeit zunehmend verändert. Zunächst muss man jedoch die verschiedenen beruflichen Bedingungen heranziehen, da diese maßgebend für die Freizeitgestaltung und somit auch für die Lesegewohnheiten sind. Hierzu sind fünf Faktoren zu betrachten:
1. Das Bildungsniveau: Es ist primär bedeutsam für die Lesegewohnheiten, da es entscheidet, ob das Buch als Medium für eine Person überhaupt in Frage kommt, oder ob man zur Befriedigung eines Bedürfnisses lieber zu etwas anderem greift.
2. Der Zweck: Er entscheidet, zu welcher literarischen Gattung man greift, um ein bestimmtes Bedürfnis zu erfüllen; d.h. wenn man sich über zeitgenössische Ereignisse informieren möchte, greift man eher zu einer Zeitschrift oder einer Zeitung als zu einem Roman. Somit ist auch der Zeitaufwand und die Intensität bzw. Konzentration maßgebend, mit der man liest, da es zwischen den verschieden Arten von Literatur erhebliche geistige Anforderungsunterschiede gibt.
3. Die objektive Freizeit: Sie ist ein weiterer Faktor, der bestimmt, wie viel Zeit nach notwendiger Tätigkeit noch zur Verfügung steht.
4. Die subjektive Freizeit: Sie ist dahingehend maßgebend, da sie bestimmt, in welchem Maß man sich von seiner notwendigen Tätigkeit in Anspruch genommen fühlt. Dies ist relativ problematisch bei Berufsgruppen, bei denen keine klare Grenze zwischen Arbeits- und Freizeit vorhanden ist.
5. Die Muße: Die Muße und die subjektive Freizeit hängen unmittelbar zusammen, da man erst in diesen Zustand treten kann, nachdem kein unmittelbarer Zwang mehr besteht, d.h. nachdem die gefühlte Arbeitszeit beendet ist.
Betrachtet man diese Faktoren, wird klar, dass jede Berufsgruppe diese Bedingungen zum Lesen mehr oder weniger günstig erfüllt.
Was jedoch eindeutig durch die Tabelle A6 manifestiert wird, ist das je höher das Bildungsniveau ist, desto höher wird das Lesen als eine Bildungsquelle eingeschätzt; im Umkehrschluss: je niedriger das Bildungsniveau ist, desto mehr wird der informative Charakter des Mediums wie z.B. Zeitschriften und Zeitungen geschätzt. Dies ist kein überraschendes Ergebnis, da schon in der Schule der Leser an das Medium Buch herangeführt wird und in seiner Berufszeit immer wieder auf diese Gewohnheit zurückgreift.
Zum Aspekt der objektiven Freizeit ist in unserer Studie kein überraschendes Ergebnis hervorgetreten. Es bestehen nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen der wöchentlichen Arbeitszeit der verschiedenen Berufsgruppen, wie an der Tabelle A10 zu sehen ist. Der Großteil der Angestellten, Facharbeiter und Arbeiter müssen fünf Tage in der Woche arbeiten, wohingegen die Mehrheit der Beamten, Selbstständigen und freiberuflich Tätigen eine sechstägige Woche haben. Am wenigsten Zeit haben selbstständige Landwirte, die mindestens sechs oder wie die meisten sieben Tage in der Woche arbeiten. Hieraus ist zu schließen, dass bestimmte Berufsgruppen deutlich weniger freie Zeit zur Verfügung haben als andere. Betrachtet man nun noch die subjektive Freizeit in der Tabelle A9, wird deutlich, dass die Berufe bei denen keine klare Grenze zwischen Arbeits- und Freizeit besteht, nicht nur objektiv gesehen am wenigsten Zeit haben, sondern sich von ihrem Beruf so in Anspruch genommen fühlen, dass sie gar nicht die Möglichkeit besitzen, sich in einen zwangslosen Zustand der Muße zu versetzen. Sicherlich ist es in diesen Berufsgruppen nötig, sich mit Fachliteratur zu beschäftigen, jedoch werden die notwendigen Bedingungen, um sich mit höherer Literatur zu beschäftigen, bei den Berufsgruppen Landwirte, Arbeiter und selbstständig Tätigen leider kaum ausreichend erfüllt.
Wie an den Tabellen A14 und A19 zu erkennen ist, beschäftigen sich Angestellte und Beamte am meisten mit dem Bücherlesen. Nicht nur dass ihnen ihre objektive und subjektive Freizeit dies zulassen; es ist auch voraus zusetzen, dass diese Berufsgruppen eine höhere Bildung besitzen und somit das Buch bzw. das Lesen als Medium selbstverständlich ist. Dies wird auch dadurch manifestiert, das diese zwei Gruppen auch am meisten Zeitschriftenlesen. Wie zu erwarten, sind Angestellte, Beamten und Selbstständig bzw. freiberuflich Tätige auch die Berufsgruppen, die durchschnittlich am meisten Bücher besitzen bzw. zur Verfügung haben, wie an Tabelle A28 deutlich wird. Bei den Selbstständig und freiberuflich Tätigen ist jedoch vorauszusetzen, dass aufgrund ihrer wenigen Freizeit der Großteil ihres Buchbesitzes aus berufsbezogener Literatur besteht, wohingegen bei Angestellten und Beamten dieser Großteil wahrscheinlich frei wählbar ist. Somit scheinen die zwei Berufssparten Beamten und Angestellte fast die Einzigen zu sein, die sich intensiver mit höherer Literatur beschäftigen. Diese Schicht scheint das Lesen nicht nur als ein Mittel um auf dem Laufenden zu bleiben, sondern es dient diesen auch zur geistigen Weiterbildung. Somit bleibt selbstständige geistige Weiterbildung leider exklusiv in dieser Schicht, bei der jedoch auch die oben genannten Faktoren insofern erfüllt sind, da sie dazu günstige Bedingungen besitzen. Diese Schicht besteht aus dem klassischen Bildungsbürgertum, welches in Fragmenten noch vorhanden ist. Leider geht aus dieser Umfrage hervor, dass der Großteil der berufstätigen Bevölkerung Lesen bzw. Bücher nicht als eine beliebte Freizeitbeschäftigung betrachtet. Dies kann auch eigentlich nur darauf zurückzuführen sein, dass höhere Bildung bei der Mehrheit der Bevölkerung noch nicht vorhanden ist, was an der Tabelle B163 zu sehen ist; nur 5% der Befragten haben das Abitur geschafft, und 2% einen Hochschulabschluss.
*hd *ts
Tabellen:
Aus: Prof. Dr. rer. pol. P. Meyer-Dohm; Dr. phil. W. Strauß : Buch und Leser in Deutschland, Frankfurt am Main, C. Bertelsmann Verlag, 1965
Basis: Befragte insgesamt, 1973 Fälle
Tabelle A6
Das Argument „Das trägt zur Allgemeinbildung bei“ wurde zugeordnet dem…
Eifrigen Fernsehen Eifrigen Buchlesen
% %
Volksschule 33 47
Mittelschule 27 51
Oberschule ohne Abitur 23 58
Abitur, Hochschule, Universität 15 64
Befragte insgesamt 31 48
Tabelle A9
Frage:“ Haben sie genügend freie Zeit, um ihren persönlichen Interessen nachzugehen?“
Befragte insgeamt Selbständ. u. freiberuflich Tätige Angestellte Beamte
% % % %
Sehr viel Zeit 7 – 1 (3)
Genug Zeit 20 11 22 (17)
Ausreichend Zeit 22 10 27 (44)
Wenig Zeit 36 48 43 (29)
Gar keine Zeit 15 31 7 (7)
Keine Angabe 0 0 0 (0)
100% 100% 100% 100%
100 F. 278 F. 76 F.
Facharbeiter Sonstige Arbeiter Selbständige Landwirte Nicht Berufstätige Mithelfende im eigenen Betrieb
% % % % %
4 4 (-) 13 -
21 15 (-) 24 4
25 27 (39) 19 8
37 39 (40) 33 46
13 15 (57) 11 42
0 0 (0) 0 0
100% 100% 100% 100% 100%
285 F. 191 F. 40 F. 882 F. 109 F.
Tabelle A10
Tabelle A14
Freizeitbeschäftigungen
an Werktagen Selbständ. u. freiberuflich Tätige Angestellte Beamte Facharbeiter Sonstige Arbeiter Selbständige Landwirte
% % % % % %
Radiohören (31) 44 (44) 41 39 (56)
Fernsehen (31) 41 (32) 33 38 (32)
Klassische Musik hören (4) 8 (6) 1 5 (-)
Zeitschriftenlesen (19) 22 (29) 19 11 (-)
Bücherlesen (10) 16 (18) 11 7 (3)
(95%) 131% (129%) 105% 100% (91%)
89 F. 233 F. 66 F. 245 F. 174 F. 34 F.
Tabelle A19
Befragte insgesamt Selbständ. u. freiberufl.
Tätige Angestellte Beamte Facharbeit. Sonstige
Arbeiter Selbst.
Land-
Wirte
% % % % % % %
Befragte lesen..
mehr 16 17 25 (21) 13 14 (13)
weniger 42 44 26 (26) 44 50 (43)
Befragte schätzen das Lesen…
Hoch ein 30 35 48 (37) 21 22 (13)
Gering ein 29 32 14 (18) 33 38 (41)
Befragte haben in den letzten 4 Wochen
Ein Buch gelesen 36 39 55 (54) 32 23 (15)
Basis 1973 F. 100 F. 278 F. 76 F. 285 F. 191 F. 40 F.
Tabelle A 28
Buchbesitz der berufstätigen Bevölkerung ohne Mithelfende im eigenen Betrieb
Berufsgruppe Relativer
Anteil
An allen
Berufstätigen Bücher
In
Millionen Relativer Anteil
Der Buchbesitzes
Am Gesamt-
Buchbesitz der
Berufstätigen
% Anzahl %
Selbständ. u. freiberufl.
Tätige 5,0 128 17
Angestellte 14,0 320 42
Beamte 3,9 119 16
Facharbeiter 14,5 112 15
Sonstige Arbeiter 9,7 53 7
Selbständ.
Landwirte 2,0 23 3
Basis: Berufstätige ohne Mithelfende im eigenen Betrieb, 982 F. (Berufsgruppen mit einer zu geringen Fallzahl wurden nicht berücksichtigt)
Tabelle B163
Frage: Wie haben sie ihre Schulausbildung oder ihr Studium abgeschlossen? Falls Schüler oder Student : Welche Schule besuchen sie zur Zeit?
Schulbildung Befragte insgesamt
%
Volksschule 79
Mittelschule 9
Oberschule, Gymnasium ohne Abitur 7
Abitur 2
Universität, Hochschule ohne Abschluss 1
Universität, Hochschule mit Abschluss 2
Nennungen 100%
Basis 100%
Fallzahl 1973 F.
Aus: Fröhner, Rolf: Das Buch in der Gegenwart, Gütersloh, C. Bertelsmann Verlag, 1961
Tabelle C1
Frage: Womit befassen Sie sich in Ihrer freien Zeit am liebsten?
Insgesamt Männer Frauen Arbeiter Angestellte Beamte
% % % % % %
Lesen 30 27 32 25 42 41
Hand-, Haus-,
Gartenarb. 26 21 31 28 24 26
Sport,
Spazieren,
Wandern,
Autofahren 18 24 13 18 18 17
Radio,
Fernsehen,
Plattenspielen,
Musikhören 10 12 8 11 8 15
Es machten
Angaben 94 96 92 95 97 97
Es machten
keine Angaben 6 4 8 5 3 3
100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 752 290 151
Selbst. Landw. Rentner 16 bis
30 J. 30
bis
50 J. 50 bis
65 J. 65 J.
u.
älter Volks-
schule Mittlere
Reife Abitur,
Hoch-
schule
% % % % % % % % % %
30 20 32 27 33 30 27 25 43 44
21 31 25 20 30 30 26 29 23 14
17 12 25 23 14 16 24 18 18 23
13 9 8 12 10 9 7 10 10 15
93 89 93 96 94 91 93 93 97 94
7 11 7 4 6 9 7 7 3 6
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
232 210 330 572 717 449 242 1522 354 124
Tabelle C2
Frage: Würden sie mir bitte sagen: Wie oft waren sie in den letzten vier Wochen im Kino?
Ins-
gesamt Männer Frauen Arb. Ang. Bea. Selb. Ldw. Rent.
% % % % % % % % %
Einmal 22 21 23 23 28 21 23 17 17
Zweimal 15 15 16 18 20 27 17 8 5
Dreimal 6 6 6 7 8 7 4 5 3
Viermal 6 6 5 8 7 7 2 3 2
Fünfmal
Und mehr 2 2 2 3 2 2 3 – 1
Keinmal 31 31 31 29 31 28 33 35 33
Gehe
Überhaupt
Nicht ins
Kino 18 19 17 12 4 8 17 32 38
Keine
Angaben 0 0 0 0 0 – 1 – 1
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 752 290 151 232 210 330
Tabelle C3
Frage ich habe hier einige Sätze. Bitte ergänzen sie jeden Satz so, wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Sie brauchen gar nicht lange dabei zu überlegen:
Wenn ich mir einmal etwas einsam und verloren vorkomme, dann…
Insgesamt Männer Frauen 16 bis
30 J. 30 bis
50 J. 50 bis
65 J. 65 J.
und älter
Suche
Ich
Persönlichen
Kontakt 21% 18% 23% 21% 20% 20% 23%
Lese ich 12% 11% 13% 12% 12% 12% 12%
Verreisen,
Spazieren-
gehen 10% 11% 9% 7% 10% 12% 16%
Musik, Radio,
Fernsehen 10% 9% 11% 12% 8% 10% 7%
Ausgehen,
Tanzen,
Theater,
Kino 8% 6% 10% 15% 6% 5% 2%
Trinke ich,
spiele ich Skat usw. 6% 11% 2% 4% 8% 6% 7%
Arbeite ich,
beschäftige
ich mich 5% 5% 5% 5% 5% 6% 5%
Ruhe ich mich aus,
schlafe 4% 4% 4% 5% 4% 4% 3%
Beschäftige ich mich mit den Kindern 2% 2% 2% 2% 4% 1% 1%
Sonstiges 10% 9% 11% 8% 9% 10% 15%
Kommt bei mir gar nicht vor 6% 7% 6% 6% 7% 9% 2%
Es machten Angabe 93% 93% 93% 94% 92% 93% 91%
Es machten keine Angaben 7% 7% 7% 6% 8% 7% 9%
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 572 717 449 242
Tabelle C4
Wenn ich etwas Spannendes suche, dann…
Insgesamt Männer Frauen 16 bis
30 J. 30 bis
50 J. 50 bis
65 J. 65 J.
und älter
Lese ich 33% 33% 31% 33% 35% 27% 27%
Ausgehen,
Kino,
Theater 24% 23% 25% 39% 22% 16% 7%
Radio,
Fernsehen,
Musik 6% 7% 6% 6% 7% 7% 5%
Treibe ich Sport und gehe meinem Hobby nach 6% 9% 2% 6% 7% 5% 4%
Mache ich einen Spaziergang 2% 3% 1% 2% 1% 3% 4%
Suche ich persönlichen
Kontakt 2% 2% 2% 2% 2% 3% 2%
Beschäftige ich mich, handarbeite ich 1% 2% 1% 1% 1% 2% 1%
Gehe ins Wirtshaus 1% 2% 0% 0% 1% 2% 1%
Sonstiges 2% 2% 2% 2% 1% 3% 3%
Suche ich nicht 7% 5% 9% 2% 6% 10% 15%
Suche ich, finde ich usw. 5% 4% 6% 3% 5% 6% 6%
Es machten Angaben 86% 89% 84% 91% 87% 84% 75%
Es machten keine Angaben 14% 11% 16% 9% 13% 16% 25%
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 572 717 449 242
Tabelle C5
Wenn ich auf andere Gedanken kommen will, dann…
Insgesamt Männer Frauen 16 bis
30 J. 30 bis 50 J. 50 bis 65 J. 65 J.
u. älter
% % % % % % %
Lese ich 18 16 20 18 17 20 18
Gehe ich spazieren 15 17 13 10 14 17 24
Ausgehen,
Kino,
Tanz 13 11 14 20 12 9 5
Höre ich Radio,
Fernsehen,
Schallplatten 12 12 11 15 12 10 8
Suche ich persönlichen Kontakt 11 7 15 11 11 10 12
Handarbeite ich, arbeite ich 7 7 8 7 7 11 5
Gehe ich ins Wirtshaus und trinke etwas 7 12 2 5 8 8 7
Gehe ich ins Theater oder musiziere 5 5 6 8 5 4 2
Beschäftige ich mich mit meinem Hobby 4 7 2 4 6 2 2
Beschäftige ich mich mit den Kindern 2 1 2 1 2 1 2
Sonstiges 4 3 4 3 3 4 7
Es machten Angaben 94 94 94 96 95 94 88
Es machten keine Angaben 6 6 6 4 5 6 12
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 572 717 449 242
Tabelle C6
Wenn ich mich weiterbilden will, dann…
Insgesamt Männer Frauen 16 bis 30 J 30 bis 50 J. 50 bis 65 J. 65 J.
u. älter
% % % % % % %
Lese ich (allgemein) 37 33 41 34 39 39 33
Lese ich Fachliteratur 17 26 9 18 21 15 12
Besuche ich Vorträge u. Vorlesungen 14 14 14 23 13 8 2
Rundfunk, Fernsehen, Kino 6 5 6 5 7 6 3
Lerne und arbeite ich 4 4 5 9 3 3 1
Gehe ich in Gesellschaft und diskutiere 3 3 3 3 3 4 3
Theater, Konzert, Ausstellungen 2 1 2 1 2 2 1
Übe ich Hand- bzw. Berufsarbeit aus 1 1 1 1 1 0 -
Sonstiges 1 2 1 1 1 1 2
Will mich nicht mehr weiterbilden 9 7 10 4 7 14 18
Es machten Angaben 88 90 86 93 89 89 74
Es machten keine Angaben 12 10 14 7 11 11 26
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 572 717 449 242
Tabelle C7
Frage: Welche Eigenschaften würden sie einem Menschen zusprechen, der viele besitzt?
Insgesamt Männer Frauen Arbeiter Angestellte Beamte
% % % % % %
Zeichen für Intelligenz u. Bildung 36 35 38 34 41 34
Freude und Interesse am Buch 14 14 14 13 16 17
Reichtum 9 8 9 10 9 4
Will sich weiterbilden 7 7 6 6 6 11
Hat Zeit zum Lesen 6 5 8 8 3 5
Es kommt auf die Bücher an 4 4 4 3 7 4
Eigenbrötler und Büchernarr 4 5 2 5 2 2
Kommt darauf an, ob er sie liest 4 4 3 3 4 3
Allgemein positive Eigenschaften 5 5 5 4 7 8
Skeptische Äußerungen 1 1 1 1 1 1
Ablehnende Urteile 2 2 2 2 2 3
Es machten Angaben 82 82 83 81 88 87
Es machten keine Angaben 18 18 17 19 12 13
100% 100% 100% 100% 100% 100%
Anzahl 2011 965 1046 752 290 151
Selbst. Ldw. Rent. 16 bis 30 J. 30 bis 50
J. 50 bis 65 J. 65 J. u. älter
% % % % % % %
43 34 36 36 39 36 34
15 11 15 13 14 14 15
4 9 9 10 8 8 10
6 5 8 6 6 8 7
3 15 4 4 8 7 6
6 2 4 5 4 4 3
3 4 2 6 3 2 4
4 2 5 3 3 4 5
7 3 5 5 5 5 6
0 1 1 1 1 0 0
2 1 2 2 1 3 2
84 79 80 82 83 83 80
16 21 20 18 17 1720
100% 100% 100% 100% 100% 100% 100%
232 210 330 572 717 449 242
Quellen:
Prof. Dr. rer. pol. P. Meyer-Dohm; Dr. phil. W. Strauß : Buch und Leser in Deutschland, Frankfurt am Main, C. Bertelsmann Verlag, 1965
Fröhner, Rolf: Das Buch in der Gegenwart, Gütersloh, C. Bertelsmann Verlag, 1961

English
Deutsch 

